Menschenkontakte – Erinnerungen

VORBEMERKUNG

Der Hang sich zu erinnern an vergangene Zeiten drängt immer stärker. Die interessanten, erlebnisreichen, kuriosen Momente möchte man noch einmal hervorkramen zur individuellen Erbauung. Das Gefühl des ein- oder ausgesperrt sein im Corona Lockdown, der nicht enden will, verstärken nostalgische Gefühl. Zweimal wurde gegen Corona geimpft, aber Vorteile oder mehr Freiheiten ergeben sich daraus nicht. Viel freie Zeit ist plötzlich übrig und das schon mehr als ein Jahr. Erinnerungen kommen auf, die Gedanken spuren zurück. In 44 Jahren Lebensarbeitszeit hat sich viel angesammelt, was mal wegerzählt werden sollte. In den Jahren als Lehrer, Schuldirektor, Fachleiter am Studienseminar, auf vielen Reisen trugen sich so einige Ereignisse, Merkwürdig- und Absonderlichkeiten zu.

76 Länder wurden in mehr als 20 Jahren Rentnerzeit bereist, alle Ozeane durchquert, Äquator und im Norden/Süden die Wendekreise überfahren. Arktis und Antarktis wurden auch in Augenschein genommen. Die Umrundung der Welt mit dem Flieger hat mehrmals stattgefunden. Zu erkunden waren auch Wüsten und andere Sehenswürdigkeiten der Welt. Da hat sich so einiges ereignet. Mit so vielen Menschen hatte man zu tun in aller Welt und während der langen Lebensarbeitszeit als Lehrer. Immer wieder mal kam da die Frage auf nach langem Berufsleben: „Kennen sie mich noch?“ Tausende Schüler sind einem begegnet; so viele Zeugnisse hat man unterschrieben. Etwas Stolz ist ist da auch. In all den Jahren hat nicht ein einziger Schüler das Klassenziel verpasst durch eine von dir vergebene Note 5 am Schuljahresende. Bei der Rentenberechnung hat sich gezeigt, in 44 Arbeitsjahren waren nur 3 Wochen Krankschreibung registriert worden. Da rechnete eine Beamtin noch einmal nach und staunte! Optimistische Lebenseinstellungen, Kompromissbereitschaft, Freude an der Arbeit haben Beruf und Freizeit verschmelzen lassen. Viele ehemalige Schüler haben etwas in Dankbarkeit zurück gegeben.

Eins

Beim Holzspalten ist das Beil abgerutscht und hatte den Daumen erwischt. Heftige Blutung, Pflaster und Binden halfen nichts. Die Blutung war nicht zu stoppen, also Notaufnahme im Klinikum. Ein junger Arzt begutachtete den Schaden, versorgte die Wunde fachgerecht und ließ wissen, dass eine Schwester noch zwei Spritzen setzen werde. Ich sollte mir schon mal die Hose runter lassen und und mich über die Behandlungspritsche legen. „Die Spritze gibt es in den Hintern!“, ergänzte er noch. Beim Verlassen des Raumes fragt er beiläufig: „Kennen sie mich eigentlich noch?“ Dem war jedoch nicht so. Er half nach: „Sie waren zwei Jahre mein Klassenlehrer und haben sich dafür eingesetzt, dass ich die Erweiterte Oberschule besuchen konnte, obwohl ich kein Arbeiter- und Bauernkind war. Ich habe Abitur gemacht und nun bin ich Arzt!“, präzisiert er weiter. Eine Erinnerung oder Bildvorstellung wollte nicht aufkommen. Weg war er. In Erinnerung des eben Gehörten merkte ich nicht, wie sich eine Schwester nährt. Plötzlich Desinfektion auf beiden Pobacken und ein Stich rechts und links fast gleichzeitig. Wie kann das sein? Zweifaches Kichern. Aufrichten, Hose hochziehen.

Zwei Schwestern, vielleicht zwanzigjährig, stehen mit Spritze in der Hand da und fragen: „Kennen sie uns noch?“ Beide kannte ich noch. Sie freuten sich diebisch und sagten, sie hätten ihre Ausbildung als Arzthelferin und Krankenschwester abgeschlossen. Dabei kicherte sie wegen des gelungenen Spaßes weiter. Peinlicher Gedanke. Aber, die beiden haben nun etwas zu erzählen im Kollegenkreis …

Zwei

Mal wieder wurde gefragt: „Kennen sie mich noch?“ Ein neues Auto musste angemeldet werden in der KFZ-Zulassungsstelle. Viele waren eher da, hatten eine Nummer gezogen und warteten. Ein Blick auf die Uhr – das wird dauern! Eine Frau geht schnellen Schrittes durch den Warteraum, schaut sich kurz um und verschwindet im Amtszimmer. Eine neue Nummer wird aufgerufen und gleich danach: „Herr M. bitte!“ Wird schon seine Richtigkeit haben, denke ich!

Platznahme am Schreibtisch, Zulassungsdokumente ausbreiten, Blick zur Sachbearbeiterin gegenüber. Die war doch gerade durch den Warteraum gegangen!? „Wissen sie noch, wer ich bin?“, fragt die. Verblüffung, die Frau war mir unbekannt. Sie nannte ihren Namen, die Klasse und dass ich mal ihr Lehrer gewesen sei für zwei Schuljahre. Sie half den Erinnerungen nach, aber ein Bild der Schülerin wollte sich auch hier nicht einstellen nach mehr als 15 Jahren. Sie sei hier Amtsleiterin, hätte ihren Lehrer gesehen und gedacht, tust mal was für deinen Lehrer, mit dem du immer gut ausgekommen bist und manches zu verdanken hast.

So oder ähnlich geschah das immer mal wieder; häufig jedoch im medizinischen Bereich. Mal wurde man schneller aufgerufen, mal gab es bei einer Behandlung tröstende oder erklärende Worte. Diagnosen des Arztes wurde erläutert oder entschärft. Wenn sich dann noch der Chefarzt einer großen Klinik ans Bett setzt, um über alte Zeiten zu plaudern, erwirbt man bei den Mitpatienten enormes Ansehen. Unerklärlich und tief verwurzelt müssen diese Lehrer-Schüler-Beziehungen sein. Als Lehrer duzt man unwillkürlich den ehemaligen Schüler, nennt ihn beim Vornamen. Sie oder er bleiben konstant beim „Sie“. Bittet man ehemalige Schüler, die nun auch schon 50 oder 60 Jahre alt geworden sind, auch „Du“ zu sagen, dann klappt das nur wenige Male. Im nächsten Satz ist wieder das „Sie“ da.

DREI

Nicht alle Begegnungen mit ehemaligen Schülern sind angenehm.

Unterwegs, kurz vor Weihnachten mit Frau und Tochter, um einige Einkäufe zu tätigen. Feierabendbetrieb, viele Leute sind im Einkaufscenter unterwegs. Der Käuferstrom wird voraus irgendwie gehemmt. Leute teilen sich, um sich rechts und links vor einem Hindernis an den Wänden vorbei zu drücken. Näher heran ist zu sehen, eine Gruppe bildet das Hemmnis. Drei Hunde haben sie dabei, die wenig Vertrauen ausstrahlen. Einige Gestalten haben mehr auf den Rippen, als gut ist, tragen Militärhosen und Bomberjacken mit Aufschriften. Noch weiter heran ist zu sehen, einer dieser bulligen jungen Kerls hat auf dem Hals SS-Runen eintätowiert, ein anderer trägt eine Tätowierung verschlungener Hakenkreuze am Hals. Rechte also! Zwei Service Mitarbeiter des Centers haben sich in eine Ecke verdrückt. Im Vorbeigehen an der Wand kommt eine Hand aus der Gruppe, fasst meinen Ärmel und zieht mich in die Gruppe. Frau und Tochter verdrücken sich sofort in einen Geschäftseingang. Da war dann wieder die Frage: „Kennen sie mich noch?“ Natürlich nicht!

Der Frager wendete sich an seine Kumpane mit den Worten: „Das war mein Lieblingslehrer. Ohne ihn hätte ich Schule hingeschmissen und nie die 10 Klasse erreicht!“ Jetzt dämmerte es, wer er war. In den Wirren der Wende hatte die Mutter ohne Vorankündigung die Familie verlassen, um in den Westen zu gehen. Der Vater hat das nicht verkraftet und seine Arbeitslosigkeit dazu haben ihn zum Trinker werden lassen. Nichts gab es mehr in Familie und Gesellschaft, was dem damals 14jährigen eine Zukunft geben konnte. Schule war auch Scheiße! Seine Mutlosigkeit und Verbitterung war nicht zu übersehen. Mehrmals hatte ich ihm Mut zugesprochen und dabei wohl Zuneigung erworben.

Anfang der 9. Klasse, die Schüler hatte den Raum verlassen; ich sortierte nach der Stunde meine Unterlagen. Plötzlich stand er am Lehrertisch. „Heute habe ich Geburtstag“, sagte er leise. Gratulation, gute Wünsche! Unter dem Arm trug er ein Buch, das ihm seine Oma geschenkt und 40 Euro gekostet hatte. Auf dem Lehrertisch blätterte er es auf. Ich packte meine Tasche, hatte Pausenaufsicht und sah nur halb hin. Dann blickte ich auf Hitler und Göring in A4 Größe, schaute genauer hin, klappte es zu, sah auf den Titel: “Hitlers Leben in Bildern“. Kann man heute so was tatsächlich kaufen? Es war neu! Ich bat ihn, so etwas nie wieder mit in die Schule zu bringen, wollte mit ihm noch reden, aber andere Ereignisse hinderten mich daran. Dann war es vergessen! Er lernte gut weiter, fiel nie auf und schaffte die 10 Klasse mit akzeptablen Ergebnissen.

Die bulligen Männer sahen mich nun an, als wären sie kleine Jungen. So was gab es also auch, mögen sie gedacht haben. Nacheinander drückten mir wortlos alle die Hand. Das Zeremoniell war erledigt, allen wurde Gutes gewünscht. Ich war entlassen. Aber irgendwie kommt der Pädagoge da wieder durch und der sagte, dass sie die Leute doch nun genug erschreckt hätten und die Aktion beenden könnten. Auf dem Rückweg war zu sehen, sie waren verschwunden.

Heute habe ich seit vielen Jahren mit diesem Jungen Kontakt. Er ist ein Facebook Freund, ist ausgewandert nach Brasilien, lebt in Manaus, hat geheiratet und Kinder. In der Nähe von Manaus betreibt er einen kleinen Tischlereibetrieb. Immer mal sendet er Fotos und schildert erschüttert Szenen vom Sterben in seiner unmittelbaren Umgebung. Viele seiner Nachbarn wurden von Corona dahingerafft, ohne jemals einen Arzt oder eine Klinik gesehen zu haben. So muss es im Mittelalter mit der Pest gewesen sein, schreibt er.

VIER

Jährlicher Routine Gesundheitscheck beim Hausarzt. Frage: „Wann waren sie das letzte Mal beim Urologen?“ „Noch nie!“ Eine Überweisung wurde ausgestellt, Praxen wurden genannt. Anruf, Terminvereinbarung: Wartezeit 3 Monate. Nach 3 Monaten war der Termin erreicht. Am Praxisschild waren zwei Urologen verzeichnet – ein Mann und eine Frau. Der Warteraum war stickig und überfüllt. Nach weiteren zwei Stunden erstellte eine junge Arzthelferin die Anamnese. Sehr unangenehme Fragen! Dann folge die Aufforderung, den benachbarten Behandlungsraum aufzusuchen, die Hose auszuziehen, sich auf die Behandlungspritsche zu legen und zu warten. Der Raum war abgedunkelt und kühl. Nach einiger Zeit kam die Arzthelferin wieder, setzte sich an den Computer. Wir warteten! Dann, Schritte von Absatzschuhen auf den Fliesen – klack, klack, … auch noch, die Urologin! Im Türrahmen verharrte sie als Silhouette und sagte von dort aus: „Herr M., mein Lieblingslehrer, dass sie auch mal bei uns vorbei schaun!?“ Schnell kam sie näher und drückte mich kurz. Wieder die Frage: „Erkennen sie mich noch?“

Wie sollte ich, der Raum war abgedunkelt. Die Arzthelferin am Computer schaltete das Deckenlicht an. Eine wohl 50jährige Frau stand vor mir. Das Licht half auch nicht weiter. Sie setzte nach, nannte Jahreszahlen, Namen von Mitschülern und Lehrerkollegen, aber eine Bildvorstellung wollte trotzdem nicht aufkommen. Da ich mit dem „Du“ begonnen hatte, war ja mal eine Schülerin, blieb ich dabei. Das schien sie gar nicht zu bemerken. Nun wurde sie Ärztin und professionell. Das Gel fühlte sich kalt an auf dem Unterbauch, das Display wurde so gedreht, dass alle Erläuterungen nachverfolgbar waren. Der Gedanke um ihre Identität kreiste weiter. Dann war die Untersuchung beendet und das Gel wurde vom Unterbauch wieder abgewischt. Während des Ankleidens setzte sie sich auf die Behandlungspritsche und versuchte dem Erinnerungsvermögen nachzuhelfen. Sie hatte wohl bemerkt, dass ich so richtig mit ihr nichts anfangen konnte.

Die Arzthelferin war verschwunden und nun saß ich auf der Pritsche neben ihr. Sie redete und langsam fügten sich Bruchstücke zusammen und meine Nachbarin wurde zum Bild. Aus der Ferne schälten sich aber mehr negative Bruchstücke heraus. Mit ihren Eltern gab es immer wieder Konflikte. Am Ende der Unterhaltung stellte sie klar, warum sie sich noch an mich erinnerte. Zeichnen hatte ich in ihrer Klasse auch erteilt. Ein Bild sollte zuhause fertiggestellt werden. Die Mutti hatte geholfen und der Vater war der Meinung, dass kann nur eine Note 1 sein. Da sie aber nur einen geringeren Teil der Aufgabe erfüllt hatte, gab ich ihr eine Vier. Zuhause hat das Unverständnis ausgelöst. Dummerweise hatte ich die Zensur vorn auf das Blatt geschrieben mit Namenskürzel. Zum Gedenken an abscheuliche Lehrerwillkür und schreiender Ungerechtigkeit erhielt die Zeichnung einen Rahmen und wurde im Flur aufgehängt. Über mehrere Wohnungswechsel zog das „Kunstwerk“ mit, hängt heute noch in der ehelichen Wohnung und Gästen fällt diese A3 große Schülerarbeit immer mal auf, auch die Zensur. Von Ungerechtigkeiten in der Schule kann jeder berichten und die Kommunikation des Abends ist gesichert.

FÜNF

Gerade wurde wieder Ausgangssperre angeordnet wegen der Infektionszahlen mit Corona. Der Begriff Corona ist inzwischen ein „Rotes Tuch“ geworden. Man kann ihn nicht mehr hören. Und doch gibt es da auch angenehme Erinnerungen an „Corona“. Vor Jahren übernahm ich eine 11. Klasse am Gymnasium, einen Leistungskurs Deutsch. 16 Schülerinnen, 2 Schüler. Nach der Wende waren sie alle fürchterlich lernwillig. Vor dem Lehrertisch hatte eine Schülerin, 17 Jahre, mit dem Vornamen Corona ihren Platz. Von den Mitschülern hob sie sie etwas ab und wurde hinter vorgehaltener Hand „Intelligenzbestie“ genannt. Von ihren Klassenkameraden wurde sie trotzdem geachtet, weil sie hilfsbereit und kooperativ war. Wie sie zu ihrem Wissen kam, war mir schleierhaft. Außer Sport hatte sie überall die glatte Note eins. Eine Leistungskontrolle unter 15 Punkten gab es bei ihr nicht. Sie folgte dem Unterricht aufmerksam, hatte nie eine Aufgabe nicht erledigt, meldete sich aber auch nicht, wenn sie die Antwort wusste. Allerdings, konnte niemand in der Klasse eine aufgeworfene Frage beantworten, war meine letzte Hoffnung immer Corona. Sie wusste eine Antwort – fast immer. Für mich als Lehrer war sie eine sichere Bank für den Unterrichtfortgang. Das setzte sich auch in Klasse 12 fort.

Ich war nun 2 Jahre vor dem Renteneinstieg angelangt und bei schnellerem Sprechen fehlte immer mal ein Begriff oder eine Jahreszahl. Wenn ich bemüht war die Lücke zu umschreiben, flüsterte sie ganz leise den Begriff zu. Mir schien, der Kurs hat nie etwas bemerkt. Alle Abiturnoten von Corona waren sehr gut, auch Sport. Nach der Abiturfeier gab ich meinen großen Blumenstrauß von der Klasse an sie weiter.

Kurze Zeit danach hatte sie eine einjährige Au pair Stelle in den USA, Chicago, bei einer jüdischen Bankiersfamilie mit großem Einkommen, großer Villa und viel Hauspersonal angetreten. Zwei Schulkinder waren zu betreuen Die Au-pair-Mädchen wechselten jährlich. Die Eltern überließen alle bei den Kindern unpopulären Maßnahmen den Betreuerinnen. Sie blieben die Guten! Ihre Schützlinge besuchten eine Privatschule in Chicago am anderen Ende der Stadt und wurden täglich gefahren. Kurze Zeit später fiel der Fahrer aus. Man übergab ihr die Autoschlüssel, sie möge die Kinder in der Schule abholen. Führerschein besaß sie, hatte aber wenig Fahrpraxis. Als sie das Auto sah, bekam sie einen Heulkrampf. Mehr als 8 Personen hätte man transportieren können, echt amerikanische Ausmaße.

Nach diesem Erlebnis erhielt ich erstmals eine E-Mail von ihr. Sie schrieb sich ihren Frust von der Seele. Das alles konnte sie ihren Eltern nicht mitteilen. Ein reger E-Mailverkehr entwickelte sich. Ich spendete Trost, gab Tipps und pädagogische Hinweise. Das Jahr verging. Später dann kurvte sie mit dem großen Fahrzeug durch die Stadt, auch um in ihrer Freizeit an der Universität Vorlesungen zu hören.

Am letzten Tag des Au pair Einsatzes teilte man ihr mit, sie habe gut gearbeitet, man sei mit ihr vollkommen zufrieden gewesen. Sie solle reisen und 4 Wochen das Land ansehen. Hier sei eine Kreditkarte! Wie hoch sie diese belasten dürfe, wollte sie wissen? Die Antwort, nach 4 Wochen verliert die Kreditkarte ihre Gültigkeit. Mit viel Willen hat sie ihr USA Jahr in Chicago durchgestanden, absolvierte, wieder in Deutschland, mehrere Studiengänge an Universitäten mit sehr guten Ergebnissen, heiratete, bekam zwei Kinder, aber dann gingen Ehe und anderes schief. Heute hat sie zwei fast erwachsene Töchter, mit denen sie zusammen lebt und kann das Wort „Corona“, das täglich hundertfach in den Medien auftaucht, nicht mehr hören, obwohl es doch ihr Vorname ist.

SECHS

Reise in den Süden der USA, 2 Tage Hotelaufenthalt in New York. Großes Hotel in der Nähe des Zentrums, schön hoch. Mehrere Fahrstühle transportieren die Bewohner: Expressfahrstühle und welche, die bummeln und überall halten. Die Expressfahrstühle waren gerade nicht verfügbar, also einen langsameren besteigen. Diese Idee müssen auch drei Ordensfrauen oder Nonnen gehabt haben. Drei sichtbar angejahrte und herausgefutterte Frauen mit Häubchen, schwarzer Kleidung und weißem Kragen bestiegen heftig diskutierend die Liftkabine.

Nach dem ersten Halt wendet sich plötzlich eine der Frauen an mich, wohl mit einer Frage. Etwas verzagt antwortete ich: „I do not speak English!“ Danach wurde lauter nachgefragt. Mein Nichtverstehen hatte aber etwas mit der Sprachbeherrschung zu tun, nicht mit dem Hören. Also sagte ich nochmal etwas lauter und forscher: „I do not speak English!“ Zwei brüllten jetzt ihr Anliegen heraus, um meine angebliche Schwerhörigkeit zu überlisten. Beim nächsten Halt stieg ich dann fluchtartig aus, obwohl ich noch nicht in meiner Etage angekommen war. Was war das? Ich hatte doch deutlich gesagt, dass ich nicht Englisch spreche!? Die drei Ordensfrauen hatten wohl vermutet, dass mein Gehör Probleme macht und sind laut geworden.

Dann aber reifte die Erkenntnis, die drei konnten sich vielleicht nicht vorstellen, dass ich ihre Sprache nicht beherrsche. Sie müssen wohl gedacht haben, jeder Mensch beherrscht gottgegeben Englisch. Von anderen Sprachen wussten sie vielleicht nichts oder wenig. Schnell war das Erlebnis wieder vergessen. Tatsächlich geschah Ähnliches noch einmal. Nachdem ich gesagt hatte: „I do not speak English!“, wurde der Gesprächspartner auch laut. Später erfuhr ich, der Mann hatte gedacht, Englisch ist eine dem Menschen immanente, angeborene Grundsprache. Er wusste von anderen Sprachen, dachte aber, sein Englisch versteht jeder überall …

SIEBEN

Buenos Aires war nach 14 Stunden Flug erreicht, Stadtrundfahrt, Hotel Check in. Am nächsten Tag dann check-in an Bord des Schiffes, das in die Antarktis starten soll. Die Infiniti – 3000 Passagiere – ein Turbinenschiff, dass mit Kerosin betrieben wird, lag für seine Passagiere bereit. Zwei Stunden später dann Einweisung an Bord für die deutschsprachige Gruppe. Erste Zusammenkunft mit dem Betreuer, 10 Deutsche, ein Ehepaar aus der Schweiz. Über das Bordleben wird informiert, dass Leute aus mehr als 70 Nationen sich an Bord befänden. Zu Sicherheitsfragen gab es Weisungen. Er selbst, Ingenieur, arbeitet an der Maschine. Auffällig, seine Sprache!

Meine Nachbarin fragt mich flüsternd, was der für einen Dialekt spräche? Nach genauerem Hinhören wurde klar, dass ist kein Dialekt, dass ist eine alte deutsche Sprachform, die weit unter Goethe anzusiedeln ist, bei Lessing, der Aufklärung, um 1700 etwa. Satzstrukturen, Wortwahl, Wortbedeutung weisen darauf hin. Nach Studium der Germanistik, Studienrat am Gymnasium war das halbwegs zu beurteilen. Worte und Satzstrukturen werden heute anders verwendet. „Im Eis können sie sich nicht bekoten! (beschmutzen)“ oder „im Restaurant können sie gepflegt fressen!“ (um 1700 – alles aufessen, viel essen). Unglaublich, dass kann doch nicht sein, dachte ich.

Nach Ende der Unterweisung ging ich zu seinem Tisch. Papiere wurden noch geordnete. Er schaute hoch, fragte: „Wes ist euer Begehr? In der 3. Person wurde ich noch nie angesprochen! Sehr eigenartig! Woher seine Deutschkenntnisse, wollte ich wissen? Er erzählte, dass er sich auf dem Schiff beworben habe und im Bewerbungsgespräch sei angedeutet worden, er könne sein Chancen erheblich verbessern, wenn er Deutsch sprechen würde. Ein halbes Jahr sei noch Zeit gewesen, aber bei einem professionellen Anbieter konnte er nicht lernen, sein Geld hätte dazu nicht gereicht. Er habe aber gewusst, dass in seinem Viertel in Rio de Janairo seit langem eine Familie lebe, die nur „os alemães“ (die Deutschen) genannt würden. Die sprächen zu hause aus alter Tradition mit ihren Kindern Deutsch. Das habe ihm schon sein Großvater gesagt. Jetzt gab es in dieser Familie „os alemães“ auch einen fast 80jährigen Großvater mit viel Zeit, der bereit war, jeden Tag ein bis zwei Stunden mit ihm Deutsch zu lernen.

Sprechen habe er also von ihm gelernt, mit dem verstehenden Lesen sei es schlechter bestellt und mit dem Schreiben auch. Diese Familie „os alemães“ habe seit langer Zeit keinerlei Kontakte mehr zu Deutschland. Er habe den Job auf dem Schiff bekommen, als er nachweisen konnte, dass er sich mündlich Deutsch verständigen könne. Er wollte wissen, ob die Gruppe ihn verstanden hätte. Das war der Fall und ich erklärte ihm, dass er ein Deutsch spräche, dass seit fast 300 Jahren in Deutschland nicht mehr gesprochen würde. „Wirklich?“ Dazu meinte er dann, sein alter „Deutschlehrer“ in Rio habe das Deutsch als Familientradition auch von seinen Eltern gelernt und die vor ihm auch wieder von den Eltern. Es hätte eben zu dieser Familie gehört, Tradition eben! Er selbst habe Deutschland noch nie gesehen und auch sonst keinen Kontakt zu Deutschen. Es sei erst seine 2. Reise.

Nie hätte ich geglaubt, dass so etwas möglich ist. Da wird innerfamiliär eine Sprache gesprochen und bewahrt, die die Zeit längst überholt hatte. Eine Fundgrube für die Wissenschaft! Er arbeitete im Fahrstand der Maschine und war für seine Gruppe an der Rezeption fast nie verfügbar. Man hatte eine Möglichkeit gefunden, wie er immer für seine Leute da sein konnte. An der Rezeption sprach niemand Deutsch und man sagte einfach „Germany“. Die Mitarbeiterin nahm ihr Handy, wählte eine Nummer und reichte das Gerät über den Tresen und er fragte: „Wes ist euer Begehr?“ Das „Begehr“ wurde mitgeteilt und das Handy über den Tresen zurück gereicht – manchmal einmal, oft mehrmals, bis das Anliegen erledigt war. Die Mitarbeiterin am Tresen wusste nun, was zu tun war.

Vorstellbar wäre, die Familie „os alemães“ (Deutsche) ist irgendwann nach 1700 oder etwas später eingewandert, war vielleicht immer etwas isoliert und so hat sich die Tradition, Deutsch zuhause als Zweitsprache zu sprechen, über die Jahrhunderte erhalten. Vielleicht war auch der Gedanke da, mal wieder zurückzukehren nach Deutschland!?

ACHT

Nach der Begegnung mit den drei Ordensschwestern, die keine Vorstellungen davon hatten, dass es Menschen gibt, die nicht Englisch verstehen und sprechen, die darum laut werden müssen, weil es nur das Gehör sein kann, was Verständigung erschwert, fällt mir noch eine weitere Begebenheit ein.

Am Abend hatten wir das Kreuzfahrtschiff in New Orleans bestiegen. Es war kalt für diese Jahreszeit. Nach 15 Stunden Fahrt im Golf von Mexiko hatte sich alles geändert. Luft +30°C, Wassertemperatur +29°C. Frühstück und dann erst mal die Schiffsbibliothek aufsuchen, sonst haben sich andere die besten Bücher geholt. Geöffnet war die Bibliothek und eine freundliche Bibliothekarin war auch da. Der Bibliotheksraum war einem englischen Club des 19. Jahrhunderts nachempfunden. Tiefe Ledersessel, überall Schiffsmodelle, ehrwürdige Wandverkleidung und ringsherum Vitrinen voller Bücher in vielen Sprachen der Welt. Für Deutsch gab es gleich zwei Vitrinen.

Eine Auswahl an vielen Bänden Kriminalliteratur war zu sehen. Von Simenon und seiner literarischen Figur, dem Kriminalkommissar Maigret, wollte ich immer schon mal mehr lesen. Drei Bände waren ausgeliehen, schnell an Deck, eine Liege im Schatten organisieren und lesen. Der Titel des Bandes und der Autorenname waren noch lesbar. Dann war Schluss. Der Text muss in Finnisch oder Ungarisch verfasst worden sein. Ein Versehen? Hat falsch in der Vitrine gestanden? Wieder runter in die Kabine und den 2.Band holen. Vorsichtshalber nachschauen: es handelt sich um Norwegisch oder Dänisch. Dritter Band, aufschlagen, na endlich, ein Text in Deutsch.

Erster Gang am nächsten Morgen in die Bibliothek. Die Bücher hätten irrtümlich in der Vitrine für Deutsch gestanden, erklärte ich. Die Bibliothekarin schlug sie auf, sah hinein und meinte, dass es doch Deutsch sei. Sie sah auf den Buchrücken. Da stand tatsächlich „GER“ und eine Zahl. Ich versuchte zu erklären, dass das andere Sprachen seien. Nun schaute sie nochmal hinein, zögerte etwas und sagte dann, dass es doch aber Europa sei. Im Gespräch stellte sich heraus, sie habe geglaubt, dass in Europa diese Texte jeder lesen könne und dass es da vielleicht noch so ein paar Dialekte geben würde. Nun hatte jeder etwas gelernt: sie, dass im Gegensatz zur USA in Europa viele unterschiedliche Sprachen vorhanden sind und die Menschen einige Kilometer weiter nach einer Grenze sich nicht mehr verstehen. Ich habe gelernt, dass Europa sehr weit in Wissen und Denken von US-Bürger entfernt ist.

Da fällt mir aber gleich noch eine Begebenheit ein, die ein Taxifahrer aus Stockholm in einer Show zum besten gegeben hatte. Er hält am Flughafen in Stockholm, ein eiliger Fahrgast aus den USA, eben angekommen, steigt zu und sagt, er möchte zum Hofbräuhaus nach München. Der Taxifahrer fühlte sich veralbert und fragte nach. Der Fahrgast bestand darauf. Nun erklärte der Fahrer des Taxis, dass er darauf nicht vorbereitet sei, denn für die Fahrt brauche er mehr als 2 Tage. Jetzt war der Amerikaner erstaunt: „So groß ist Europa!?“

NEUN

Vor 2 Tagen hatten wir in Halifax abgelegt und nun blieb noch ein Seetag bis New York. Zeit zum Abendessen im Restaurant. Ein Tisch wird gefunden. Zwei Plätze sind noch frei. Ein amerikanisches Ehepaar kommt vorbei, sucht, sieht die freien Plätze und fragt, ob sie sich setzen dürften. Wir stellen uns vor. Sie ist hoch erfreut, sie sei Deutsche, vor 25 Jahren mit ihrem Mann in die Staaten gezogen. Bibliothekarin sei sie und ihr Mann arbeite bei der NASA, spräche inzwischen auch gut Deutsch. Am Buffet wird immer wieder Speise nachgefasst, alles verführerisch; es wird gegessen und geredet über Gott, die Welt, Politik.

Viele müssen auf dem Weg zum und vom Buffet an unserem Tisch vorbei. Auffällig viele jüngere Frauen mit enormen Leibesumfang und überladenen Tabletts hasten vorbei. Dick kann man nicht sagen, Fett würde es auch nicht treffen. Ein Wort, mit dem sich diese Leibesfülle beschreiben lässt, gibt es in unserer Sprache nicht. Einige trugen geschätzte 200 – 300 kg oder auch weit darüber mit sich herum. Sie liefen eigenartig, mussten sie doch ihre enormen Massen vor dem nächsten Schritt erst in Schwung bringen. Das gab ihrem Vorwärtsdrang etwas ruckartig Komisches.

Bei dieser Körperfülle war der Begriff Mode zu vernachlässigen. Ihre weiten Umhänge waren eher von der Art, dass man oben ein Loch für den Kopf gelassen hatte; die Arme wurden durch irgendeine Falte nach außen gesteckt. Unten berührten einige dieser zeltartigen Überwürfe in ungleicher Länge fast den Boden. Man dachte eher an eine Zeltplane, die übergeworfen wurde. Normalgewichtige Passagiere kamen vom Buffet und balancierten zumeist einen oder zwei Teller. Diese kräftigen Frauen trugen fast alle Tabletts. Einige waren mit Tellern und Schüsseln dicht gefüllt, andere hatten Speisen direkt auf das Tablett gehäuft, was so etwas an Schweinefutter erinnerte. Von der erhöhten Position des Tisches war das gut zu sehen. Während der Unterhaltung musste ich immer wieder auf diese extrem fülligen Frauen mit ihren prall befüllten Tabletts sehen.

Meinem Gegenüber, dem Mann der NASA, fiel das auf. Die Frau sagte, dass es ihr fast peinlich sei als Amerikanerin. Ihr Ehemann ergänzte, dass er sich entschuldigen möchte für seine Landsleute bei solchen Anblicken. Aber auch das sei Amerika! Nun schwenkte das Gespräch um zu den schattigen Seiten der USA.

Uns wurde erklärt, warum die mächtigen beobachteten Frauen so zahlreich auf dem Kreuzfahrtschiff auftraten. Die Erklärung war einfach. Kreuzfahrten sind in den USA wesentlich billiger zu buchen als in Europa. Für diese Leute, die Essen als Lebensinhalt für sich erschlossen hatten, ist diese Reise ein Paradies. Immer kann man essen, so viel man will. Diese Leute gehen kaum an Land. Ihr Reiseziel sei das Essen. Meist wären das aber Leute mit sehr geringem Bildungsstand. Das sei überhaupt das Problem vieler ihrer Landsleute. „Würden sie einen ganz durchschnittlichen Landsmann fragen, ob er 10 Bundesstaaten nennen könne, würden sie ihr blaues Wunder erleben!“. Ich fing gleich an Bundesstaaten von Nord nach Süd aufzuzählen. Beim 5. Bundesstaat stoppte er mich. Europäer bekommen das wohl alle hin? Viele seiner Landsleute könnten auch fast keine Bundesstaaten nennen, die an den eigenen Bundesstaat grenzten. Die Leute verlassen kaum ihre gewohnten Umgebungen, ihre Orte.

So wurden noch viele Probleme aus Deutschland und den USA erörtert. Über die eigenen Familien wurde auch gesprochen. Das Restaurant hatte sich schon vor Stunden gelehrt. Immer mal wieder hatten wir an der Bar einen Wein, ein Bier geholt und geredet. Die Tische der Umgebung waren schon für das Frühstück hergerichtet worden. Nach mehr als drei Stunden war der Eindruck entstanden: wir kennen uns seit langem. Doch jedem war klar, in diesem Leben, auf dieser Welt werden wir uns nie wieder treffen.

Es war ein schöner Abend …

ZEHN

Vor zwei Tagen hatten wir im US Hafen von LA abgelegt und sind jetzt seit 2 Seetagen auf dem Pazifik unterwegs. Mäßig warm, spiegelglatte Wasseroberfläche, ein schöner Tag. Frühstück, 7 Uhr, noch wenig Leute sind im Restaurant. Am Getränkebuffet stehen einige nach Kaffee oder Tee an.

Vor mir eine Amerikanerin mit 4 Tassen, die scheinbar mit ganz individuellen Kaffees gefüllt werden sollten: eine ohne Coffein, aber mit viel Milch, eine weiter Tasse mit 4 Zuckerstückchen, zwei weitere Tassen Kaffee nur mit Milch. Das dauert, ich komme nicht an das kochende Wasser für meinen Tee. Dann ist sie endlich fertig und dort angelangt, wo eigentlich die Tabletts liegen. Waren aber keine da! Das merkte sie auch. Nun schob sie zwei Tassen ans Ende der Ablagefläche, nahm zwei Tassen, schaute noch einmal auf die verbleibenden und ging zu ihrem Tisch. Ich stellte meine Teetasse ab, griff nach den zwei restlichen Tassen, folge der Frau. Man soll ja immer mal eine gute Tat vollbringen, auch am frühen Morgen. Sie stellte ihre Tassen ab, wollte zurück. Nun stellte ich meine zwei Tassen dazu. Große Verblüffung, kein Servicemitarbeiter, ein Passagier. 2 Ehepaare aus Atlanta saßen am Frühstückstisch. Es war ihre erste Kreuzfahrt. Zwei waren Lehrer. Mit einem German hatte bisher keiner von ihnen Kontakt! Gutes Gefühl, hast dich als hilfsbereiter Deutscher präsentiert und Eindruck gemacht, dachte ich bei mir. Nach kurzer Zeit war der Gag vergessen.

Nächsten Morgen, wieder Frühstück, wenig frühe Gäste im Restaurant. Meine Morgensuppe hatte ich auf den Teller gefüllt, etwas viel vielleicht. Die Suppe musste genau beobachtet werden. Sie wollte immer mal über den Tellerrand kriechen. Löffel fehlte noch. Wie üblich, Griff in die Löffelbox. Der Löffel zeigte sich störrisch, wollte nicht raus. Jemand hatte einen Löffel zu viel in die Box gepresst und weil sie gut geformt waren, hielten sie sich gegenseitig fest.

Suppe beobachten, zweiter Versuch mit etwas mehr Kraftaufwand. Der Löffel blieb in der Box, aber die Box hob sich etwas an. Die Suppe war schon wieder am Tellerrand. Nun kam doch so etwas wie Ungeduld oder auch eine kleine Wut auf. Für den Teller gab es keine Abstellmöglichkeit. Also, dritter Versuch. Suppenteller wieder ausbalancieren und dann ein kurzer kräftiger Ruck. Der Löffel gab sich geschlagen, aber einige seiner Löffelfreunde nutzten die Gelegenheit zu entkommen aus ihrer Enge in der Box. Jetzt hatte ich zwar den einen Löffel in der Hand, aber eine ganze Reihe anderer Löffel befanden sich in der Luft auf ganz unterschiedlichen Flugbahnen und Flughöhen. Einige vollführten Pirouetten, andere schossen Kobolz und landeten nacheinander gut hörbar auf den Fliesen des Bodens. Wie peinlich! Ankommende Frühstücksgäste schauten auf die Löffel am Boden, dann auf mich. Ein Teil der Suppe hatte diese Verwirrung dazu genutzt um den Fußboden zu erreichen.

Nun stellte ich den Teller doch auf dem Boden ab und begann die Löffel zu sammeln. Plötzlich waren vier weitere Löffelsammler an meiner Seite. Blick zur Seite, die Leute von gestern, denen ich Kaffee hinterher getragen hatte, unterstützten mich. Alle Löffel waren eingefangen. Ein Restaurant Mitarbeiter nahm sie an sich und warf sie in den Korb mit abgeräumtem Geschirr; dann wischte er meine Suppe auf. Die beiden amerikanischen Ehepaare konnten das Lachen und ihre Heiterkeit kaum bezwingen. So schnell kann eine gute Tat belohnt werden …

ELF

Weiter geht die Tour entlang der Küste Antarktikas. Die Elephanteninsel verabschiedete sich steuerbords, die Sonne beginnt sich vom Horizont zu lösen, auf dem sie des Nachts entlang gekullert war. Es kündigt sich ein schöner Polarsommertag an mit moderaten Temperaturen. Wenig Leute sind an Deck zu sehen. Voraus große 100 Meter hohe Eisberge, auf denen Pinguine herumturnen und uns neugierig beobachten. Das Panoramadeck endet vor dem Bug mit einer hohen Glaswand, die vor eisigen Winden schützt, und dem Hubschrauberlandeplatz. Das Ziel für Fotos bei steigender Sonne war eine große Kiste mit Rettungsmittel. Von der konnte man gut über die Glaswand hinweg schauen.

Aber da stand schon ein Mann auf der Kiste, der die Arme auf den Glasrand gelegt hatte und nach vorn schaute. Die Kiste war lang, also stieg ich auch hinauf und schaute ebenfalls nach vorn, um zu sehen, wie das Schiff in Kleiner Fahrt zwischen den Eisbergen hindurch kurvte. Der Mensch neben mir war eigenartig gekleidet. Standard hier waren dicker Anorak und Mütze. Er sah aus wie ein Farmer aus dem Westen der USA mit breitkrempigem Hut und Lederkleidung. Ob der nicht friert, fragte ich mich? Schweigend beobachteten wir nun zu zweit das Polarmeer vor dem Bug. Mehrere Orkas von erheblicher Größe tauchten immer mal wieder vor dem Bug auf. Albatrosse und andere große Seevögel schleppten große Fischstücke weg, die von den Schrauben am Heck zerhackt worden waren.

Mein Nachbar sagte plötzlich etwas in Englisch, sah aber weiter gerade aus. Vermutlich führt er aus Ergriffenheit ein Selbstgespräch, dachte ich. Ich war nicht angesprochen und reagierte nicht. Dann sah er mich an und wiederholte das eben Gesagte. Dabei fiel mir auf, dass er ganz schön alt sein musste. Ihm wurde mitgeteilt, dass das eigene Englisch miserabel sei und keine Unterhaltung möglich zulasse. Danach Schweigen! Dann ein neuer Anlauf. Bist du ein German? Das wurde bestätigt. Nach kurzer Pause redete er weiter in schwer verständlichem Deutsch , immer nach Begriffen suchend. Als 17jähriger sei er 1947 auch in Deutschland gewesen, in Berlin, als Angehöriger der US Army, 2 Jahre lang. Er hätte mal recht gut Deutsch sprechen können.

Immer wieder nach Vokabeln suchend, mit schwer verständlicher Aussprache erzählte er, dass er 90 Jahre alt sei, mit seinem 65jährigen Sohn die letzte Reise seines Lebens unternähme. Schon ein Kindertraum sei es gewesen, das ferne Land mit dem vielen Eis zu erleben. Sein Sohn sei mit auf dem Schiff und habe alles organisiert. Bei jedem Satz fieberte ich mit ihm, dass er ihn zu Ende bringen würde. Immer mal ergänzte ich Begriffe, die ihm nicht mehr geläufig waren. In Texas lebe er und habe weit draußen eine kleiner Farm. Dann wollte er wissen, wie das mit der Wende in Deutschland gewesen sei und ob ich aus Ost oder West käme. „Osten!“, sagte ich. Da schwieg er erst mal. Das irritierte ihn irgendwie. Ich war wohl ein Kommunist!? Seine Sprache war flüssiger geworden und er wunderte sich selbst, dass ihm diese Sprache Deutsch noch so geläufig war, obwohl er sie doch nie wieder benutzt hätte.

Inzwischen hatten wir uns auf die Kiste gesetzt. Mir war kalt geworden. Er schien nicht zu frieren. Frühstückszeit war geworden und viele Passagiere strebten dem Restaurant zu. Nicht zu glauben! Da triffst du am Ende der Welt, vor der Küste des Kontinents Antarktika einen Menschen, der am Ende seines Lebens angekommen ist und der sich seinen letzten Wunsch erfüllt mit dieser Reise. Der spricht Deutsch und erkundigt sich nach deinem Land, hat in Berlin 2 Jahre seines Armeedienstes abgeleistet und interessiert sich für das Deutschland von heute. Vor der Trennung drückten wir uns die Hände. Trotz der Kälte waren seine Hände warm. Beide wussten wir, wir hatten nur diese eine Stunde auf dieser Welt gehabt …

ZWÖLF

Gegen 10 Uhr soll die Paradise Bay erreicht werden, wurde über die Bordlautsprecher mitgeteilt. Das Oberdeck ist fast leer am frühen Morgen. Backbord im Bugbereich stehen einige Asiaten, vermutlich Chinesen. Alle haben einen Minihörer im Ohr und vorn an der Reling spricht jemand in ein Mikro und gestikuliert heftig mit den Armen. Alle schauen auf die mindestens 100 Meter hohen vorbeigleitenden Eiswände. Gerade beginnt sich die Polarsonne vom Horizont zu lösen, wo sie die Nacht zugebracht hat. Alles überzieht sie mit Licht aus flüssigem Gold.

Zwei Kameras habe ich dabei und überklettere Absperrungen, steige verbotene Treppen hinauf, um interessante Aufnahmeperspektiven zu finden. Vorher wurde genau beobachtet, ob nicht doch irgendwo versteckt Videokameras angebracht waren. Ärger auf diesem amerikanischen Schiff wäre nicht gut. Vogelperspektive, Normalperspektive, Froschperspektive, Licht, Gegenlicht, Schatten sollten diese Fotos beleben. Für die Froschperspektive musste ich auf den Bauch, weil die Displays der Kamera nicht beweglich waren. Von der Gruppe an der Reling schauten immer mal Leute zu mir herüber. Dann ein kollektiver Aufschrei, gemeinsames Wegducken und ängstliche Blicke nach oben.

Ein Albatros mit geschätzter Flügelspannweite von mehr als 3 Metern hatte sich wohl übernommen, als er am Heck ein großes Fischteil, das die Schrauben dort zerlegt hatten, aus dem Wasser gezogen und wegschleppen wollte. Er erreichte nicht die nötige Flughöhe, wollte das Fischteil vermutlich aber auch nicht fallen lassen und strich wie ein Segelflieger in geringer Höhe über die Gruppe hinweg. Der erneute Versuch eines Steigfluges scheiterte wieder. Er konnte nicht Höhe gewinnen. Endlich ließ er die Beute fallen. Dicht an der Bordwand sauste das Teil wieder ins Wasser zurück. Jetzt erst sah ich die Kamera aufnahmebereit in meiner Hand. Zeit für Fotos wäre gewesen, aber der Anblick war so faszinierend, dass ich vergessen hatte auf den Auslöser zu drücken. Sehr ärgerlich.

Fotos hatte ich nun genug und dachte an Frühstück. Nahe der Gruppe sah ich die Aufnahmen durch, löschte einige und verstaute die Kameras. Da kam eine junge, schlanke Frau mit pelzbesetztem Kurzmantel, Fellcape und warmen Stiefeln auf mich zu. Sie hatte eine Profikamera dabei, die ich bei Amazon schon mal gesehen hatte – mehr als 5000 Euro teuer. Aus Gestik und Mimik war zu entnehmen, ich sollte sie fotografieren mit ihrer Kamera. Auf Reisen geschieht das häufig überall auf der Welt. Nun wurde noch die Tasten für Auslöser und Zoom gezeigt. Dann fummelte sie noch an der Einstellung des Aufhellblitzes herum. Wie üblich, dachte ich, Aufstellung an der Reling mit schönem Hintergrund und dann knips, knips. Warum betreibt die so einen Aufwand mit der Erklärung der Kamerafunktionen? Sie hatte anderes vor.

Kurz schaute sie sich um, ging zu ihrer Gruppe, sagte etwas und rückten alle einen Meter zur Seite. Sie sah kurz auf einen bizarr geformten hinter ihr vorbei gleitenden Eisberg, dann zu mir und begann in schneller Folge unterschiedliche Posen einzunehmen. Arme hinter den Rücken, über den Kopf, auf die Reling, nach hinten, Profil rechts links und anderes. Das war gewöhnungsbedürftig. Doch nicht nur ein Erinnerungsfoto!?

Nach kurzer Zeit hatte ich heraus, immer dann den Auslöser zu drücken, wenn sie von einer Pose zur nächsten sekundenlang erstarrte und Gestik, Mimik korrigiert hatte. An der Blitzfolge konnte ich erkennen, dass ich oft zu lange den Auslöser gedrückt hatte. Viel zu viele Bilder! Zum Schluss noch einige gezoomte Fotos als Großaufnahme. Sie war exotisch schön. Dann kam sie, nahm die Kamera, schaute die Bilder durch, löschte einige und gab sie zurück. Es war also noch nicht alles?

Zurück an der Reling hatte sie einem aus ihrer Gruppe ihren Mantel übergeben zum halten. Unter dem Mantel trug sie ein intensiv farbiges Minikleid. Interessant: Fellmütze, Pelzstiefeln und dann diese kurzärmlige Kleidchen. Komplett unangepasst! Wieder begann sie unterschiedliche Posen einzunehmen. Jetzt waren wir eingespielt. Polarsommer mit enormer Windgeschwindigkeit sind nicht warm. Nach kurzer Zeit musste sie wieder ihren Mantel holen. Sie kam näher, nahm wieder die Kamera, schaute die Fotos schnell durch, schien befriedigt zu sein, verbeugte sich, lächelte und ging zu ihrer Gruppe zurück. Alle hatten interessiert zugeschaut. Irgendwie peinlich war das! Sie muss Model sein, denn alle Posen, die sie einnahm, schienen Routine zu sein. Warum hatte sie niemanden aus der Gruppe um die Fotos gebeten? Vermutlich hatte sie mich bei meiner Fotografiererei beobachtet und für einen Profi gehalten.

Nun schnell Frühstück, Fotos durchsehen, Akkus wechseln und noch etwas TV schauen in der Kabine. 10 Uhr, Paradise Bay. Das Schiff lag ruhig. Zeit verpasst: schon 10.30 Uhr. Alle 3000 Passagiere waren an Deck und bildeten mehrschichtige Reihen dort, wo die besten Fotostandorte waren. Verzweifelt rannte ich herum, aber keiner machte Platz. Die riesige Bay, gefüllt mit Eisbergen, war zu sehen und in der Ferne die chilenische Antarktis Forschungsstation. Zodiacs eines entfernt liegenden Expeditionsschiffes waren unterwegs, dazwischen schauten immer mal Orcas aus dem Wasser oder verschwanden mit ausschlagender Schwanzflosse.

Plötzlich ein Ruckeln am Ärmel. Da war das Model vom Vormittag wieder. Sie fasste die Hand, zog mich hinter sich her zu ihrer Gruppe. Die hatten eine hervorragende Sicht dicht an der Reling. Sie sagte etwas, eine Gasse wurde frei und nun konnte ich dicht an das Geländer heran treten für Fotos. Nachdem ausreichen Bilder vorhanden waren, meldete sich der Kapitän und teilte mit, dass er dieses 350 Meter Schiff zweimal um seine Achse drehen werden, damit jeder zu guten Bildern kommt. Mittagessen, andere Erlebnisse mit Pinguinen, die von den Eisbergen herab uns scharf beobachteten, spielende Orcas ließe das Vormittagserlebnis in den Hintergrund rücken. Zwei Tage später sahen wir uns nochmal im Theater, dann in Montevideo auf dem Hafenvorplatz. Wir winkten uns zu wie alte Bekannte …

DREIZEHN

Mitte April – Autoscheiben kratzen. Am Abend hatte es geregnet. Dann hatte sich das Hoch LISA breit gemacht und kalte Luft ins Land gelenkt. Der Motor läuft. Heck, Frontscheibe tauen automatisch ab. An die Seitenscheiben muss der Eiskratzer ran. Die Eisteile ringeln sich wie Hobelspäne. Kratzen! Aber der Gedanke Eis spult weiter – Eis, Speiseeis, Softeis. Weitere Gedankenteile werden aus dem internen Speicher abgefordert, wursteln noch ein wenig und dann das Ergebnis: Erinnerung an eine Mittelmeer Kreuzfahrt mit MSC, Mittagessen, Softeiszubereitung. Die Autoscheiben sind vom Eise befreit – klare Sicht.

Es war an einem Seetag auf dem Kreuzfahrtschiff von MSC, sonnig; Mittagessen im Restaurant war vorbei. Das Dessert bestand aus Kuchen, Kaffee und selbst gezapftem Softeis. Nun klebten die Finger, Servietten – wo? Vorn, neben dem Softeisautomaten, liegen Servietten. Während des Wegs zur Serviettenbox beim Eisautomaten war eine Frau zu beobachten, die ihren Eisbecher akkurat gefüllt hatte und nun an dessen Verschönerung arbeitete: etwas Fruchtmus, Fürchte, bunte Zuckerstreusel und am Ende kam noch ein kleines Schirmchen auf den Eisberg. Die nächste war dran: tiefer Teller, darauf eine Suppenschüssel. Die hatte mehr vor. Sicher Italienerin, die Eis für den ganzen Familientisch holt.

Gedankenverloren wurden die Finger von klebrigen Substanzen gereinigt und dem Füllvorgang zugeschaut. Ein ordentlicher Berg Schokoeis befand sich nun in der Schüssel, halbvoll. Nu drückte sie die Klinke für das Vanilleeis, schaute herüber zu mir und beobachtete den Füllvorgang weiter. Dann, Klinkenhebel loslassen, Schüssel war gefüllt. Aber, das Eis quoll weiter aus der Öffnung. Hektisch drückte sie den Hebel für den Eisauslass mehrmals. Das Eis quoll weiter.

Das Softeis hatte nun den Schüsselrand erreicht, quoll über und kleckerte auf den untergesetzten Teller. Erste Eisfladen waren noch weiter und tropften auf den textilen Fußbodenbelag. Die Serviette wurde in der Hand zerknüllt und eine Hilfsaktion eingeleitet. Mehrere wuchtige Schläge auf den Verschlusshebel brachten keine Lösung. Unten war jetzt schon eine gut sichtbare Eispfütze zu sehen.

Abräumkellner für das schmutzige Geschirr hasteten vorbei, riskierten ein Auge, hasteten weiter. Die Frau flüsterte immer wieder „Mama mia!“, stand wie erstarrt und klammerte sich am Eisteller fest. Meiner Aufforderung, das Eis doch abzustellen, kam sie nicht nach. Sie schaute dem Vorgang weiter verkrampft zu. Was weiter tun? Schuftig fühlte ich mich, als sie allein ließ in ihrer Eisnot. Auf dem Weg zum Tisch kam der Chef des Restaurants entgegen, Hände auf dem Rücken, freundlich rechts und links lächelnd. Er wurde angesprochen und zum Unfallort gelotst. Dort schmetterte er seine Faust mehrmals auf die Auslassklinke. Das Vanilleeis quoll weiter. Nun lächelte er nicht mehr. Zuschauer hatten sich eingefunden. Das Märchen vom „Süßen Brei“ aus Kindertagen kam mir in den Sinn. Das Zaubertöpfchen auf dem Herd kochte und kochte, füllte Küche und Haus. Damals hatte ich mir vorgestellt, wie das sei, sich durch den süßen Brei zu essen.

Der Restaurantchef ergriff nun die Initiative. Er orderte mehrere Eimer und einen Nasssauger, einen Handwerker auch. Der war bald da mit seinem Werkzeugkasten, öffnete ein großes Seitenteil des Automaten. Zu sehen waren eigentlich nur Rohre und Armaturen, die in der Wand dahinter verschwanden. Der Eisauslass war nur Verkleidung. Die Maschine musste im Raum dahinter stehen. Das begriff er auch, verschwand, war aber nach kurzer Zeit wieder da. Das Eis quoll weiter. Die Frau war verschwunden, Servierkräfte beherrschten jetzt das Feld, der große Nasssauger arbeitete. Nach dem dritten 10 Liter Eimer wurde das Ereignis uninteressant. Nur, gewusst hätte ich gern noch, wieviel Eimer Speiseeis der Automat noch produziert und ausspucken wird.

Kurz vor dem Abendessen fiel der Blick nochmal auf den Eisautomaten. Der für Schoko/Vanille zuständige Teil war mit Signalband umklebt, der andere, für zwei Sorten Fruchteis, war frei für den nächsten Tag. Wieviel Eimer waren in der Maschine? Ein Kellner teilte mit, dass es 10 Eimer gewesen seien.

Hoffentlich verzieht sich das Hoch LISA, nicht noch einmal zu Frühlingsbeginn Eis kratzen …

VIERZEHN

Reist man oft, hat man auch viele unvorhersehbare Begegnungen mit Menschen. Ist man mal beim Nachdenken über solche Kontakte. Gehen immer neue Dateien im Gehirnspeicher auf.

In Islands wars, vor wenigen Jahren. Das Schiff von AIDA hat am Ende des Fjords Seydisfördur festgemacht, kann nun verlassen werden, Landgang. 5 Stunden stehen für individuelle Wanderungen in die Umgebung zur Verfügung. Ein kleines Dorf, Seydisfördur, beginnt wenige Meter hinter dem Kai. Künstler haben sich hier festgesetzt, ihre Häuser ganz individuell dekoriert, so manches am Straßenrand aufgestellt und den Weg zur Kirche in Regenbogenfarben ausgemalt.

Nach dem Ort beginnt ein leichter Anstieg. Eine elektronische Tafel zeigt an, dass auf Passhöhe noch Schnee und Eis zu finden sind und die Temperatur unter 0°C liegt. Am Friedhof geht es vorbei und dann, nach einer Biegung, ist ein großer Golfplatz zu sehen. Der Golfplatz ist riesig und endet erst oben unterhalb von Felsen. Die Schranke ist geöffnet und 100 Meter weiter, mitten auf dem Platz, steht eine Bank. Keiner da! Der Weg zur Bank führt über Rasen, der so dicht ist, dass man wie auf Watte läuft. Aber in den Fjord kann man wie vermutet nicht hinein schauen. Für Fotos muss man noch ein Stück höher laufen. Keiner da! Traumhafte Bilder vom Fjord, die ihn umgebenden hohen Felsen und dem Schiff werden gefertigt. Nachkontrolle der Fotos. Hinter dem Rücken ein Geräusch, ein elektrisches Golfmobil hält. Jetzt wird Ärger!

Ärger wurde nicht. Wortlos geht der ältere gepflegte Herr zum Heck des Mobils, entnimmt einen Golfschläger immer noch wortlos und deutete an, ich sollte zuschauen. Dann positionierte er seine Füße, schaut zu mir herüber, bückt sich, steckte in die Erde eine Unterlage, auf der er den Golfball platzierte. Dann probte er, ob der Griff die richtige Länge für den Schlag hat. Mit einem sanften Schubser flog der Ball wenige Meter. Nach dieser Demonstration sammelte er den Ball wieder ein und drückte mir den Golfschläger in die Hand. Gesprochen hatte er immer noch kein Wort.

Während er den Golfschläger übergab, zog er mit der anderen Hand meine Kamera über den Kopf und deutete an, jetzt wäre ich an der Reihe. Er knipste mein Tun. Die Füße stellte ich so, wie ich es oft im Film gesehen hatte, versuchte einige Probeschläge. Danach wurde ordentlich ausgeholt, um den Ball zu treffen. Die Höhe Schläger zum Ball war wohl nicht richtig berechnet. Der Hieb mit dem Schläger beförderte Ball, Unterlage und einen großen Rasenbatzen einige Meter weit. Er hatte Fotos gemacht und freute sich diebisch über das Missgeschick. Noch immer hatten wir kein Wort gesprochen. Danach schlug er den Ball ganz professionell den Golfplatz weiter hoch, setze sich in sein Mobil, winkte mir zu und war bald hinter einem Wall verschwunden.

Meine Begleiterin saß immer noch auf der Bank, hatte unseren Kontakt beobachtet, konnte sich keinen Reim daraus machen. Ich hatte etwas fast Abenteuerliches zu erzählen. Den Golfer sahen wir immer mal wieder oben am Ende des Platzes. Dann war er wieder verschwunden. Nach vielleicht einer halben Stunde war er auf dem Weg nach unten. Nun ging ich ihm entgegen, um diese interessante Begegnung im Foto festzuhalten. Warten, Anfahrt des Golfmobils, Fotografieren, dann war er da. Steckte ein Fähnchen neben ein eingelassenes Rohr in die Erde, platzierte den Ball, kam zu mir, übergab mir den Schläger und deutete an, ich solle den letzten Schlag seines Spiels tun. Blamieren wollte ich mich nicht noch einmal. Die Entfernung zum Wimpel betrug vielleicht 8 – 10 Meter. Nach mehreren Probeschlägen schlug ich sanft zu. Der Golfball behielt die Richtung bei, wurde langsamer und langsamer, blieb vielleicht 10 Zentimeter vor dem Loch liegen. Er klatschte in die Hände und schubste den Ball wie zufällig ins Loch. Danach sollte ich mich in sein Golfmobil setzen.

Er wollte wissen woher? Nun begann unsere Unterhaltung mit wenig Worten. Er verstand kein Deutsch, ich kein Isländisch. Über ein paar englischen Brocken und Internationalismen war folgendes zu erfahren. Er sei 89 Jahre alt, mache täglich diese Runde, habe zwei Kinder, die auch schon über 60 Jahre alt sind. Die Frau war vor zwei Jahren gestorben.

Alles an ihm war Herzlichkeit, Wärme. Wie ist es möglich, dass man sich kaum ohne Worte verständigen kann? Meine Begleiterin war neugierig näher gekommen. Er fragte: „Frau?“ Danach nahm er wieder meine Kamera, reichte die meiner Frau und deutete an, sie solle uns fotografieren. Lange hielten wir uns zum Abschied an den Händen, sahen uns an. Nie würden wir uns auf dieser Welt noch einmal begegnen. Unsere Jahre und Tage waren gezählt. Nicht einmal unsere Namen hatten wir getauscht. Dann fuhr er weiter!

FÜNFZEHN

Kreuzfahrten haben nichts von ihrem Reiz verloren. Aus alter Zeit wirken bis heute alte Traditionen nach. Am Abend wird das Dinner zelebriert. Kellner bilden am Eingang Spalier. Man wurde zum Tisch begleitet und konnte zeigen, was man so an Garderobe zum Vorzeigen hatte. Tische mit 6 – 8 Personen wurden besetzt. Man achtete dabei auf Alter und auch Bildungsgrad. Zwei Tage fremdeln, aber dann kennt man sich und pflegt gediegene Konversation. Heute sind die abendlichen gepflegten Dinner weitgehend ersetzt durch SB-Restaurants. Zeitgemäß sozusagen …

Neben mir sitzt ein älterer Herr, der bisher nichts gesagt hat. Seine Frau dominiert die Tischrunde. Er antwortet zwar auf Fragen, machte aber deutlich, dass mehr nicht sein sollte. Nach zwei Tagen nebeneinander antwortete er auf eine Frage, sprach aber bei einem Anknüpfungspunkt zu besonderen Erlebnissen weiter. Er habe nach der Wende Schnellboote der DDR Marine nach Thailand verkauft für die Treuhand. Das hörte sich interessant an. Meine Fragen trieben ihn vorwärts.

Er erzählte, dass er am Bodensee lebe, einen kleinen Industriebetrieb besessen habe. Nach seinem 50. Geburtstag gab es ein günstiges Angebot, er habe verkauft. Das Geld würde bis zum Lebensende reichen. Aber, führte er fort, 50 Jahre ist noch nicht das richtige Alter um gar nichts mehr zu tun. Er habe die Situation nach der Wende im Osten in den Medien verfolgt und auch von der Treuhand gehört, die die DDR verkaufen sollte. So sagte er und dachte wohl auch so.

In einer überregionalen Tageszeitung las er wenig später eine Anzeige, in der ein Mann gesucht wurde, der sich in thailändischen Dialekten auskennt, Ingenieurwissen im Bereich Maschinenbau/Motoren besitzt und Erfahrungen im Management hat. Das roch etwas etwas nach Unterhaltung und Abenteuer. Er bewarb sich. Kurze Zeit später wurde er nach Berlin geladen zu einem Gespräch und stellte fest, dass er der einzige Bewerber war. An der Bedingung, sich in Thailand in Sprache und Umgangsformen auszukennen, sind andere Bewerber gescheitert. Seine Eltern arbeiteten im diplomatischen Dienst. Er sei in Thailand geboren, habe dort unterschiedliche Schulen in verschiedenen Regionen des Landes besucht, weil die Eltern immer mal versetzt worden sind.

Erste Kontakte zu Regierungsstellen in Thailand seien geknüpft, hatte er in Berlin auf den Weg bekommen. Er solle dort 5 Schnellboote russischer Herkunft verkaufen. Genaueres wollte er wissen, aber die in Berlin hatten nur wenig Ahnung. Boote vom Militär, da hatte er keine Wertvorstellungen. Er fragte nach dem Preis. Der wurde genannt, erschien aber so niedrig, dass er fragte, ob es sich wohl um Schrott handle. Er wolle die Objekte sehen und wenn möglich auch mal damit fahren. Er war eben Unternehmer gewesen. Man sagte zu und am nächstens Tag wurde er an die Ostsee kutschierte.

Die Dinger, die im Militärhafen festgemacht waren, waren wesentlich größer, als er sich das vorgestellt habe. Ein Boot war besetzt und der Kommandant führte ihn herum. Ihm sei aufgefallen, relativ neu war die Technik und gut gepflegt. 70 km/h sollen diese Boote laufen. 5 Flugzeugmotore waren auf der Antriebswelle montiert. Bei denen im Osten kann man ja nie wissen; er wollte noch ein weiteres Boot nach eigener Wahl sehen. Auch das erschien gewartet, gepflegt und konserviert. Für Raketenabschusseinrichtungen und schwere Maschinenwaffen hatte er keinen Blick.

Eine einstündige Fahrt sei vorgesehen gewesen. Im Fahrstand wurde er angegurtet und bis zum Hafenausgang verhielt sich das Boot noch ganz manierlich. Dann wurden die Motoren nacheinander gestartet und die Hölle brach los. In sehr kurzer Zeit waren 70 km/h erreicht. Das Boot schien mehr in der Luft zu sein als im Wasser uns schlug immer wieder hart auf der Wasseroberfläche auf. Nun wurde noch demonstriert, wie wendig das Boot sei und Haken schlagen könne. Aber das interessierte ihn schon nicht mehr. Mehr tot als lebendig hing er in seinen Gurten und habe nur einen Gedanken gehabt: wann ist die Stunde um? Während des Anlegemanövers wurde er als Wessi unauffällig beobachtet. Die Leute an Bord konnte er verstehen. Es war ihre letzte Ausfahrt. Im Hafen wartete der BMW, der ihn nach Berlin zurück bringen sollte. Dazu fühlte er sich nicht in der Lage und nahm ein Hotelzimmer. Rückfahrt am nächsten Tag.

Am nächsten Tag in Berlin wiesen ihn Experten in technische Details ein und in die schon in Thai übersetzten Vertragsdokumente. „Und der Verkaufsbetrag?“, wollte er wissen. Der vorgesehene Betrag für die 5 Schiffe erschien ihm viel zu niedrig. Die denken dort, ich verkaufe Schrott. Der Betrag wurde kurzerhand um ein paar Millionen erhöht. Wenn er an seinen Betrieb dachte, er habe mit jeder Mark gerechnet. Eigenartig hier alles, dachte er!

Zwei Tage später flog er dann nach Thailand. Eigentlich hatte er gedacht, ein Jurist oder ein Experte für Vertragsabschlüsse würden ihn begleiten. Er sei nur für die Sprache und Kenntnis der Gepflogenheiten im Lande verantwortlich, was im Land sehr wichtig ist. Nun war er alles in einer Person und bereute seine Bewerbung. Mit dem Taxi suchte er in Thailand zuerst das Hotel auf, dann fuhr er weiter ins Ministerium. Dort begrüßte ihn niemand und einen kompetenten Ansprechpartner fand er auch nicht. Sollte doch alles organisiert sein!? Am nächsten Tag gäbe es einen Termin, ließ man ihn nach längerem Herumfragen wissen!

Das war der erste Abend am Tisch, an dem er geredet hatte wie ein Buch. Nachfragen waren kaum nötig. Das abendliche Dinner war beendet. Die Leute gingen in die Bars oder zur Show. Das waren interessante Mitteilungen. Die anderen vom Tisch kümmerten sich nicht weiter um uns. Am nächsten Abend setzte er seine Berichterstattung fort.

Nächsten Vormittag dort in Thailand, so berichtete er weiter, saßen ihm als Zivilperson 4 Uniformierte gegenüber: Verhandlungsleiter, Jurist, 2 Offiziere der Marine. Seit dem Vortag lagen denen die Vertragsdokumente in Thai vor. Er war sich vorgekommen wie der letzte Dreck, alleingelassen. Das einzige, was er konnte, er beherrschte die Sprache und das will in Thailand etwas heißen. Da gibt es die gehobene Sprachebene, die Umgangssprache, die Sprache des Königshauses, die Ebene der Mönchssprache und eben auch die sprachliche Beamtenebene. Da sollte man nichts durcheinander bringen! Durch seine Diplomateneltern habe er viele dieser Ebenen kennen gelernt. Das einzige, was er dieser geballten Verhandlungsmacht entgegenzusetzen hatte, waren seine Lebenserfahrungen als Unternehmer.

Die einzelnen Vertragspositionen wurden durchgearbeitet, dann kam der Kaufbetrag dran. Er nannte ihn. Stille! Danach wurde gefragt: „Für ein Boot oder alle?“ Zögernd sage er, weil er diese Frage bei der Treuhand auch gestellt hatte: „Für alle!“ Blicke werden getauscht, geflüstert wurde. Dann waren die Verhandlungen unterbrochen. Ihn ließ man sitzen. Wie ein Vertreter Deutschlands kam er sich jetzt gar nicht mehr vor. Nach geraumer Zeit kam der Verhandlungsleiter zurück, frage nach, ob denn das alles Schrott sei? Das verneinte er, es seien relativ neue russische Schnellbote. Sie hätten sein Wort! Die Verhandlung wurde vertagt auf den nächsten Tag.

Das war eingetreten, was er befürchtet habe. Der geforderte Betrag konnte nur bedeuten: alles Schrott! Im Hotel habe er dann hektisch versucht mit Berlin zu telefonieren. Es war 1991. Da klappte es mit Ferngesprächen noch nicht wie heute. Was tun? Da man ihm aufgetragen hatte, den Vertragsabschluss nicht platzen zu lassen, erhöhte er den Vertragspreis um einige Millionen Dollar eigenmächtig.

Am nächsten Tag während der Verhandlung schilderte er dann, dass er die Boote gesehen, gefahren sei damit, gedacht habe, das überlebe er nicht und dass sie sich auf sein Wort als Unternehmer verlassen können wiederholte er. Seine Schilderung von der Ausfahrt muss sehr überzeugend und anschaulich gewesen sein, besonders bei den beiden Marineoffizieren. Änderungen gab es dann noch an Garantie, Werterhaltung und Personalausbildung. Es kam zur Unterschrift.

Er war erleichtert. Seine Mission sei zu Ende gewesen. Eigentlich hatte er gedacht, man würdige in Berlin die Millionen Dollar, die er mehr erzielt hatte, beachten. Das aber war fast völlig uninteressant. Mit wirtschaftlichem Verstand habe das alles nichts zu tun gehabt. Sein eigenes Unternehmen hätte bei dieser Arbeitsweise kein Jahr überleben können. Froh war er, dass seine Mission beendet war. Gut bezahlt sei er worden, habe diese Geschichte im Bekanntenkreis mehrmals zum Besten gegeben. Häufig sei da ungläubiges Staunen gewesen. Manche haben gedacht, er wäre unter die Märchenerzähler gegangen. Langsam vergaß er die Thailandepisode. Fast ein Jahr war vergangen. Die Treuhand meldete sich wieder bei ihm.

Davon berichtete er am folgenden Abend. Ich war gespannt.

Wieder nach Berlin. Dort erfuhr er, es gäbe mit den Schnellbooten erhebliche Probleme. Er müsse noch einmal nach Thailand fliegen. Was dort passiert sei, wollte er wissen? Die Motoren seien nacheinander fast alle ausgefallen. Die Erklärung war einfach.

Die Einsatzorte im Territorium Thailands seien kleine Inseln gewesen. Die Kontrollfahrten wären meistens auch Schleichfahrten gewesen, um Rauschgiftschmugglern auf die Schliche zu kommen. Oft haben sie dort welche aufgespürt und gefasst, denn mit dem Tempo der Schnellbote konnte keiner mithalten. Aber dort sei überall die Wassertiefe sehr gering und die Schmuggler sind einfach in flaches Wasser ausgewichen. Da nutzte die hohe Geschwindigkeit nichts mehr. Die Motoren in den Booten seien Flugzeugmotoren, die für den Betrieb hohe gleichbleibende Drehzahlen benötigen. Einer nach dem anderen wäre ausgefallen. Er solle sich die Sache ansehen. Es war wie beschrieben. Man pochte dort auf die Garantie und neue Motoren.

Er berichtete in Berlin, wollte aber mit der Sache nichts mehr zu tun haben. Wie die das dann gelöst haben, wollte er dann aber doch wissen. Ein Treuhandangestellter informierte ihn weiter, ganz privat. Man habe bei den Russen versucht, neue Motoren zu bestellen. Dieser Typ war nicht mehr in der Produktion. Auch für ordentlich Geld waren die nicht bereit zu helfen. Die Thailänder bestanden auf Erfüllung der Vertragsbedingungen. Man konsultierte deutsche Konzerne mit Motorerfahrung. Man fand einen, der bereit war, Motoren zu entwerfen, zu produzieren in beschränkter Stückzahl, sozusagen in Manufakturarbeit. Motoren sollten es sein, die besser angepasst an die dortigen Verhältnisse sind. Die Motoren wurden geliefert und eingebaut. Die Bedingungen waren erfüllt.

Das muss doch irre teuer gewesen sein, die Motoren zu ersetzen, vermutete er? Sein Gewährsmann bei der Treuhand druckste erst herum, nannte auch keine genauen Zahlen, sagte aber, dass die Motoren mehr gekostet hätten als die Boote eingebracht haben.

An den folgenden Abenden nahmen auch andere Tischnachbarn am Gespräch über die Treuhand teil. Da die meisten Tischgäste aus dem Westen kamen, von Treuhand eigentlich nur den Namen kannten, kamen sie aus dem Staunen nicht heraus und dachten auch hier an „Märchenstunde!“. Wir zwei Tischgäste aus dem Osten konnten ähnliches zur Arbeitsweise dieser Bundesbehörde einbringen. Mehrfach hatten wir das selbst erlebt in unmittelbarer Umgebung: Verkauf von Industriebetrieben für eine Mark unter der Bedingung, dass Arbeitsplätze erhalten werden, investiert wird. Viele hielten sich nicht daran. Käufer legten gefälschte Bankdokumente vor und kauften sich für eine Mark ein. Viele Mitarbeiter der Treuhand müssen mit dieser Aufgabe komplett überfordert gewesen sein. Einige Käufer waren dabei, die in Deutschland und Europa per Haftbefehl gesucht wurden wegen Betrügereien und Wirtschaftskriminalität.

Zuerst wurden die Firmenkonten der Einkäufe geplündert, dann die Maschinen, die zum Teil im westlichen Ausland gekauft worden waren, in einer Nachtaktion demontiert und abgefahren. Am Morgen waren die Werktore verrammelt. Ein Konkurrent weniger! Es muss aber auch gesagt werden, dass es nicht nur schwarze Schafe gab, sondern andere, die den Aufbau Ost ernst genommen haben.

15 Jahre sind seit der Erzählung des Tischnachbarn auf dem Kreuzfahrtschiff vergangen. Ob alle Details in der Erinnerung genau so waren, da bin ich doch etwas unsicher. Aber die großen Zusammenhänge stimmen auf jeden Fall.

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