9. New York Airport – Ausreiseerlebnis

Warum nur fielen Pass und Name immer wieder auf bei der Einreise in die USA oder Kanada? Meist waren die Einreisebeamten so um die 50 bis 60 Jahre alt, manchmal auch älter. Beim Wechsel vom internationalen zum Inland Flughafen in Philadelphia löste sich das Rätsel.

Wieder großer Andrang nach der Landung in den USA. Den Einreisebeamten konnte Max eine ganze Weile beobachten. Unbeteiligt nahm er die Pässe entgegen, scannte sie ein, verglich Passbild mit dem Original, nahm Fingerabdrücke und machte ein Foto. Grüße der Einreisenden erwiderte er nicht. Max trat an den Schalter heran. Sein Gruß wurden nicht erwidert. Er reichten seinen Reisepass in den Kontrollraum. Der Beamte sah hinein, sah noch einmal auf Max und alles änderte sich. Wieder einmal! Der Beamte sah Max aufmerksam an, riss dann einen Zettel aus einem Block und schrieb etwas auf. Wieder Probleme!

Aber, der Beamte sah ihn freundlich, fast wohlwollend an. Der Zettel wurde herüber geschoben und Max las „Willy Messerschmitt?“. Fragend schaute der Beamte Max ins Gesicht. Mit Unverständnis blickte Max zurück. „Do you know him?” (Kennen sie den?), wurde er gefragt. „We are 80 million. I do not know everyone there!” (Wir sind 80 Millionen. Ich kenne da nicht jeden!), war die Antwort. Nun hob sich der Beamte leicht vom Sitz, breite beide Arme aus und simulierte mit leichtem Brummen ein Flugzeug. An den Bewegungen der zu Tragflächen umfunktionierten ausgebreiteten Arme war zu entnehmen, eine Passagiermaschine sollte das nicht sein. Er sah Max wieder fragend an und sagte „Me 109!“ Ein deutsches Jagdflugzeug aus dem 2. Weltkrieg war simuliert worden. Jetzt dämmerte es Max. Die Namensverwandtschaft ist es , die Aufmerksamkeit erzeugt.

Willy Messerschmitt war Flugzeugkonstrukteur der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts, Nazizeit, 2. Weltkrieg. Leider, Max gehörte nicht zum Konzern und war auch kein Verwandter. Er schrieb seinen Namen nicht mit „tt“, sondern mit „dt“. Das war verstanden worden. Der Flug nach Atlanta ging in 20 Minuten, hohe Zeit!. Freundlich wies der Beamte einen Weg, wie man schneller zum Gate des riesigen Flughafens kommt. Jetzt war klar, warum bei Ein- und Ausreise Beamte, die unbeteiligt ihren Dienst versehen, beim Öffnen des Passes unterschiedlich reagieren. Ein gleichaltriger NASA Mitarbeiter, mit dem er ins Gespräch gekommen war, konnte ihm das erklären. Ende der 50er, 60er und Anfang der 70er Jahre gab es viele Filme aus Hollywood, die sich mit der siegreichen US Army im 2. Weltkrieg beschäftigten. Heldenhaft kämpften die GI besonders in der Luft und fügten der deutschen Wehrmacht große Verluste zu. Den Piloten aber machten die Messerschmitts am Himmel zu schaffen, die Me 109 und 110. Ihre Spitfires und Mustangs waren leicht unterlegen in bestimmten Angriffssituationen. Die amerikanischen Piloten schossen die Germans trotzdem ab und wurden dadurch nur noch größere Helden. Viele Amerikaner, besonders Männer, die heute zwischen 50 und 80 Jahre alt sind, können mit Me 109 – Messerschmitt etwas anfangen. Ein ganz anderes Problem wurde nun bei der Ausreise in New York sichtbar.

Die Überfahrt von Halifax nach New York gestaltete sich sehr ruhig. Jede Reise geht einmal zu Ende, auch die von Halifax nach New York. Der Trubel der Ausschiffung ist überstanden; Max sitzt im Bus Richtung Airport New York und denkt über sein Erlebnis bei der Ankunft vor 17 Tagen nach. Die Einreiseformalitäten hatten ihm damals ganz schön zugesetzt.

Am letzten Reisetag dann stand Max mit 3000 anderen Passagieren an Deck und beobachtete, wie sich die Morgendämmerung aus dem Frühnebel schälte und die Sonne begann vorsichtig durch die Wolkenkratzer von Manhattan zu blinzeln. In immer mehr Fenstern erlosch mit der Dämmerung das Licht vor dem grauenden Tag. Fotoapparate klickten unaufhörlich. Vorbei glitt die Freiheitsstatue. Beeindruckt von diesem Schauspiel waren wohl alle Beobachter.

Auf dieser Überfahrt nach New York lief in der Kabine morgens der Fernseher mit einem New Yorker TV Sender. Drei Schriftbänder mit Nachrichten und Börsenberichten gegenläufig schränkten zwar das TV-Erlebnis ein, aber interessant war es doch. Ein TV-Team war unterwegs zu Unfällen in New York. Die trafen immer schon dann ein, wenn die Polizei noch gar nicht vor Ort war und hielten die Kamera so richtig ins Geschehen. Die Gaffer traten den Unfallopfern fast auf die Hände. Da tropfte das Blut der Unfallopfer noch, da waren sie noch eingeklemmt in ihrem Fahrzeug – bisher nicht gesehene Realität!!! Und schon war das TV-Team wieder unterwegs zum nächsten Unfall. In einer so großen Stadt passiert dauernd etwas.

Check-out des Schiffes war schnell erledigt. Der Bus transportierte die Passagiere zum Flughafen. 8 Stunden Wartezeit bis zum Abflug. Eine New Yorkerin meldete sich bei der Gruppe Richtung Frankfurt, um den Fluggästen beim Check-in zur Seite zu stehen. Die jungen Frauen am Terminal waren mit den Passagieren heillos überfordert, weil leere Plätze in der großen Maschine aufgefüllt werden mussten. Die Betreuerin klärte alle Belange mit den Fluggästen und den jungen Frauen am Terminal. Viele Mitreisende schwärmten aus im Flughafengelände, andere setzten sich mit der umgänglichen Betreuerin in eine Ecke, um mehr vom Leben in New York und der USA zu erfahren. Sehr interessant, was da alles zu erfahren war vom ganz „normalen Leben“ in einer solchen Weltstadt. Max wurde viele Fragen los und bekam überzeugende Antworten zu Politik, Umwelt und anderen Dingen des täglichen Lebens. Auch eine Warterei mit 8 Stunden geht mal vorbei. Alle Terminals sind geöffnet an den Sicherheitsschleusen, riesiger Andrang, lange Warteschlangen, gründliche Kontrollen. Die Schlange rückte langsam vorwärts. Es war zu beobachten, was andere Fluggäste alles in den Container auf dem Rollband taten. Max und seine Frau hatten wie alle anderen Oberbekleidung, Fotoapparate, Handy, Gürtel, Brieftasche u.a. in den Container gelegt und warteten auf den Wink zur Passage des Scanners. Seine Frau passierte problemlos und holte sich ihren unbeanstandeten Container.

Bei Max piepte es anhaltend. Nachkontrolle mit den Handscannern von den Schultern bis zu den Füßen. Der Brustbeutel mit Geld war die Ursache. Den hatte Max schlicht vergessen in den Container zu legen. Also, zurück und noch einmal durch den Scanner. Wieder Piepen! Handscanner kommen erneut zum Einsatz – kein Piepen, aber zur Sicherheit Schuhe ausziehen, aufs Band stellen und noch einmal durch den großen Scanner. Piepen! Jetzt war die Abfertigung am Terminal ins Stocken geraten und an den Nachbarterminals war man aufmerksam geworden. „Gut, dass ich das nicht bin“, dachten wohl viele Passagiere. Nach der nochmaligen Passage des großen Scanners arbeiteten jetzt zwei Beamte an Max mit ihren Handscannern von den Schultern bis zu den Füßen. Verhaltenes Piepen diesmal. Absprache der Beamten. Max hatte ein Jeanshemd an mit Knöpfen, die einen Metallüberzug trugen. Hemd ausziehen, aufs Band legen, erneut durch den großen Scanner. Wieder Piepen! Jetzt stockte es auch an den Bändern rechts und links von Max. Es wurde beobachtet und langsam gearbeitet. Nun hatte Max die Aufmerksamkeit des gesamten Personals an diesem Terminal. Wieder Beratung. Max wurde zu einer Milchglaskabine geleitet. Der Beamte zog sich Gummihandschuhe über und nahm eine Lampe zur Hand. In der Kabine: Hosen runter, bücken, Pobacken auseinanderziehen. Nichts! Zur Sicherheit musste Max nochmal durch den Scanner. Piepen! Max stand rum ohne Schuhe, in Jeans und T-Shirt. Alle beobachteten ihn. Die Beamten waren mit ihrem Latein am Ende. Es wurde telefoniert. Max badete sich komplett verunsichert in seinem eigenen Schweiß.

Ein etwa 50jähriger Beamter tauchte auf, wohl ein Chef mit auffälligen Schulterstücken. Freundlich reichte er Max die Hand. Dann scannte er Max von oben nach unten mit den Augen ab. Erst von hinten, dann von vorn. Am Kopf blieb er hängen und seine Miene veränderte sich. Noch eine Weile schaute er Max auf den Kopf, was dem sehr unangenehm war. Dann wurde der Beamte freundlicher, zeigte mit dem Finger auf den Kopf und sagte: „Aneurysma?“ Max nickte aufgeregt. Die Finger des Beamten wanderten weiter zu der noch sichtbaren OP Narbe und die Frage folgte: „Chip in the head?“ („Chip im Kopf?“) Wieder eifriges Nicken.„Do you have a certificate for the chip?“ („Haben sie ein Zertifikat für den Chip?“) Wieder nicken. Jetzt wurde es Max ganz mulmig. Zertifikat über die Zusammensetzung des Chip hatte er, zu Hause, im Schrank. Das sagte er auch. Der Vorgesetzte war jetzt unschlüssig. Schaute zu seinen Leuten, die gerade dabei waren, die Abfertigung wieder zu starten, schaute zur Frau von Max, überlegte noch, reichte ihm dann die Hand und wünschte einen guten Flug. Zentnersteine fielen ab von Max. Erleichterung! Die Kleidung klebte am Körper. Keiner der Beamten hatte den Handscanner vorher an seinen Kopf gehalten und auch er hatte sich nicht an das Metall im Kopf erinnert.

Kurzes Warten zum Check-in am Gate, dann Boarding. Die Reisegruppe war auf Einzelplätze im Flieger verteilt worden. Max fand seinen Platz in der Mittelreihe, der zweite Platz vom Gang. Rechts und links von ihm die Plätze waren noch leer. Kurze Zeit später setzte sich eine junge Frau auf den ersten Platz am Gang, die sofort ihren Notebook startete. Durch den Gang wälzte sich ein Berg von Mensch, quer, weil er zu breit war. Max beobachtete ihn interessiert, sah aber mit mulmigem Gefühl, alle Plätze vor ihm waren besetzt. Nur der Platz neben ihm war noch frei. Großes Erschrecken! Tatsächlich, der Menschenberg holte sein Ticket heraus und verglich. Es war sein Platz. Die junge Frau und Max mussten auf den Gang, damit der Mensch auf seinen Platz konnte. Das war bei dem Umfang recht schwierig. Der klappte sofort die Armlehne von Max hoch. Max klappte sie gleich wieder runter und der Dicke musste sich in den Sitz zwängen. Unten war er eingepasst, alle wabbelnden Massen wurde nun nach oben gedrückt und hingen weit über die Zwischenlehne auf Max Seite. Ein Drittel seines Sitzes waren nun von dem Überhang belegt. Max versuchte sich wieder zu setzen, musste sich aber weit zu der jungen Frau hinüber beugen. Die ließ Mitleid erkennen und schloss ihren Notebook. Zeitung lesen war nicht möglich. Der Dicke versuchte sich klein zu machen, presste die Arme dicht an den Körper, aber die Masse war trotzdem da.

Dann kam das Essen. Die Stewardesse staunte. Sie wusste nicht, wohin sie Essen und Getränke stellen sollte. Das Tablett stellte Max so, dass es auf die Ablage der Sitzplatznachbarin hinaus ragte. Die Getränke wurden auf die Ablage der Nachbarin gestellt. Sie war sehr kooperativ. Einhändig und mit Mühe aß Max. Der Dicke schwitzte fürchterlich und es roch. Nicht auszuhalten, erst mal raus auf den Gang. Die Nachbarin stand auf und Max ging einige Male die Gänge entlang. Hier und da sah er mal aus den Fenstern, konnte aber nicht ewig herumlaufen. Das war nicht erlaubt. Also stellte er sich an der Toilette an. Da war eine lange Schlange. Irgendwann war er dran, bog kurz vorher ab und stellte sich ans Schlagenende der nächsten Toilette. Die Zeit verging nicht im Fluge. Diese Ausflüge wiederholte er mehrmals. Die junge Frau musste dabei immer mit aufstehen. Endlich geschafft, Frankfurt. Der Dick schwitzte und schwitzte und roch immer stärker. Landung! Koffer vom Rollband holen und zu Mac Donalds etwas essen.

Die Dollars in der Brieftasche wurden in Euro getauscht. Max fühlte sich beobachtet und vollzog den Geldaustausch unterhalb der Tischkante. Wieder warten. Endlich, der ICE war angekündigt und die lange Rolltreppe hinunter zum Bahnsteig wurde angesteuert. Andrang an der Rolltreppe. Eine Lücke tat sich auf und Max mit schwerem Koffer erreichte die Rolltreppe. Seine Frau wurde von einem großen arabisch aussehenden Typ und einem kleineren abgedrängt und konnte erst danach auf die Rolltreppe nach unten. Max war für sie durch die zwei hinter ihm Stehenden verdeckt. Der ICE war eingefahren. Wagen und reservierter Platz waren schnell gefunden. Der Rucksack als Handgepäck kam in die obere Ablage. Alle Reißverschlüsse waren auf gezogen. Max wunderte sich. Er lässt sie doch sonst niemals offen!

Für den letzter Reiseabschnitt wird ein Taxi geordert. Endlich zu Hause! Ziel erreicht, bezahlen! Max öffnet seinen Rucksack, nimmt die Brieftasche aus einem extra gesicherten Fach, das auch geöffnet war, schlägt sie auf und Gesundheitskarte und anderes fallen heraus. Der Taxifahrer beobachte ihn mit Quittungsblock in der Hand. Der Griff ins Geldfach. Nichts! Das begriff Max nicht, hatte er doch vor wenigen Stunden 60 Euro hinein getan!? Der Taxifahrer hatte schneller begriffen: „Da hat man sie wohl beklaut!?“ Jetzt dämmerte es: die offenen Reißverschlüsse! Die beiden, die an der Rolltreppe seine Frau abgedrängt hatten, müssen ihn vorher beobachtet und dann beklaut haben. Nichts hatte er davon bemerkt.

Das alles ereignete sich in nicht einmal 24 Stunden. Ein ereignisreicher Tag …

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