7. Ein Pizza Erlebnis

Ein Seetag im vorigen Jahr während der Überfahrt von Halifax nach New York auf einem amerikanischen Kreuzfahrer, 2800 US Bürger, 15 Deutsche, Nachmittag, Kaffeezeit. Viel freie Zeit am Nachmittag und der Gedanke findet Raum, bei uns in Deutschland wäre jetzt Zeit für einen Kaffee und ein Gebäckstücken.

So könnte man sich den Pizzabäcker vorstellen, aber viel, viel breiter und sehr kurz.

Kaffee amerikanischer Art ist schnell aus dem Automaten gezapft. Wo aber gibt es Kuchen, Torte oder ein anders Gebäckstück? Nirgendwo, denn nachmittägliche Kaffeezeit hat in den USA keine Tradition. Also dann Pizza, die gibt es 24 Stunden am Tag (von 23 – 05 Uhr wird sie auch mit einem Dollar Aufschlag auf die Kabine geliefert, sonst kostenfrei!). Pizza immer, gehört neben Waffen, Eiswasser, Cola zu den Menschenrechen in den USA! Eine große Pizza Werkstatt ist an Deck schnell gefunden, mehr als 15 Kunden stehen mit Tablett unter dem Arm an. Am Tresen sind keine Angebote zu sehen, aber hinter einer Edelstahlwand läuft die Pizza Produktion. Es ist zu hören und zu riechen.

Durch eine Schwingtür – wie in einem Western Saloon – drückt sich ein Pizzabäcker heraus: klein, untersetzt, mit hoher Kochmütze – wie aus dem Bilderbuch! Er sieht sich die Wartenden an und tönt: „Please, give an order!“ Ratlos sahen sich die Kunden an, was sollten sie ordern, war doch keine Pizza als Angebot zu sehen? Alle schwiegen, der Bäcker überblickte die Leute nochmal und ging ohne „Order“.

Dem letzten Wartenden fiel nach dem Abgang ein postkartengroßes Schildchen auf, auf dem aus der Entfernung zu entziffern war: Margarita, Salami und ganz unten Quadro. Der Pizzabäcker kommt wieder, um „Order“ zu erhalten. Der einzige Deutsche in der Reihe ruft aus seiner hinteren Position: „Quadro“. Die US Bürger sehen verblüfft auf den Deutschen, ordern aber nichts. Fragend gleitet der Blick des Bäckers wieder über die Reihe der Wartenden. Er zögert noch. Wieder presst er sich durch die Schwingtür in die Pizza Werkstatt. Nach Minuten kommt er mit einer „Quadro“ zurück. „Quadro“, das bedeutet hier nicht eine Pizza in vier Segmenten: Thunfisch, Spinat, Salami, Pilze, sondern das sind vier Käsesorten, üppig belegt, die unappetitlich aussehen und fürchterlich fett. Das war nichts!

Der fast quadratische Pizzabäcker konnte sich an den Besteller nicht mehr erinnern und der blickte unbeteiligt zur Decke. Die Pizza wurde geteilt und zwei der Anstehenden waren froh und zogen davon. Zwischenzeitlich hatten auch die anderen das Schildchen auf dem Tresen entdeckt, schoben es von einem zum anderen und orderten dann alle auf einmal. Der Bäcker wollte sich wohl etwas merken, war von dem Ansturm überfordert, nickte und ging. Gleich tauchte er wieder mit zweimal „Salami“ auf. Die sahen gut aus und der „Quadro“ Besteller orderte als letzter in der Reihe „seine“ Salami, die er nicht bestellt hatte. Die amerikanischen Pizza Kunden waren sehr höflich, sagten nichts und der Deutsche zog mit einer halben Pizza in amerikanischem Format ab.

Pizza, 24 Stunden, ein Menschenrecht in den USA. Alles viel zu groß, zu dick belegt, zu wuchtig. Da denkt man an Italien und an Pizza: dünn, knusprig, manchmal spartanischer Belag, essbar ohne Reue.

Der Kaffee war längst kalt geworden, wurde abgeräumt und erneuert. Die Reste der halben Pizza waren noch so umfangreich, dass sie für eine Familie gereicht hätten. Bei der Größe konnte man nicht mehr als ein Segment essen! Das nächste Mal: Obst zur Kaffeezeit, viel besser!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s